Kurt Finkenstein:

*27. März 1893 in Straßburg, † 29. Januar 1944 in Auschwitz

Seine Mutter entstammte einer jüdischen Familie aus Polen, sein Vater war deutscher Offizier. Den Beruf des Zahntechnikers hat er von Grund auf gelernt und, solange er in Freiheit war, mit Erfolg ausgeübt – zugleich interessierte er sich lebhaft für Literatur und Politik. Im 1. Weltkrieg wurde er Pazifist. Schon früh hat er Gedichte verfasst; einige sind in Franz Pfemferts ‘Aktion’ abgedruckt. Als knapp Dreißigjähriger hatte er sich einen universellen Bildungshorizont erschlossen und stand mit Schriftstellern (René Schickele, Herbert Lewandowski, Max Hermann-Neiße und Franz Pfemfert), Schauspielern (Friedrich Domin) Musikern (Ernst Krenek) und politischen Intellektuellen (Dr. Theo Neubauer, Dr. Ernst Meyer) in Kontakt, mit einigen verband ihn Freundschaft. In seiner Wohnung in Kassel, wohin er 1919 gezogen war, veranstaltete er literarisch-künstlerische Abende und Gespräche.

Als freiheitsliebender Intellektueller, Pazifist, Sohn einer jüdischen Mutter und (…) Sympathisant des Kommunismus verkörperte er das Feindbild des aufziehenden Nationalsozialismus. Seit der Militärzeit in Neiße befreundet mit Max Herrmann-Neiße.

1933 Schutzhaft im KZ Breitenau, 1935-1937 Untersuchungshaft, Verurteilung wegen Vorbereitung zum Hochverrat, 1937-1943 Zuchthaus Wehlheiden, dann erneut Lager Breitenau. Von dort im Januar 1944 Deportation nach Auschwitz, wo er starb. Erhalten sind in der Haftzeit geschriebene 69 Briefe an seine Frau Käthe und die Söhne, die vollständig veröffentlicht wurden. (Verlag Jenior)

http://stolpersteine.jimdo.com/biografien/kurt-finkenstein

 

Herbert Lewandowski:

  1. März 1896 in Kassel; † 4. März 1996 in Genf

Lewandowski war der Sohn eines Textilfabrikanten. Er lernte als Soldat während des 1. Weltkriegs in Monastir Kurt Finkenstein kennen. Nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg veröffentlichte er Anfang der 1920er Jahre erste literarische Werke (Novellen), außerdem Kritiken. 1923 wurde er in Bonn mit der Arbeit Die Erfassung von Formeigentümlichkeiten beim lyrischen Dichtwerk promoviert. Im selben Jahr zog er ins niederländische Utrecht, eröffnete dort zusammen mit einem niederländischen Partner eine Verlagsbuchhandlung und heiratete. 1926 sorgte seine Studie Das Sexualproblem in der modernen Literatur und Kunst für einiges Aufsehen und brachte ihn in Verbindung mit anderen frühen Vertretern der Sexualwissenschaften, insbesondere mit Theodoor van de Velde, dem Autor von Het volkomen huwelijk (Die vollkommene Ehe), mit dem er Freundschaft schloss. Im Jahr 1937 emigrierte der Jude Lewandowski mit Frau und Kindern zuerst nach Südfrankreich, wo er bei Kriegsbeginn von den Franzosen interniert wird. Nach der deutschen Besetzung wurde er erneut interniert und entkam 1942, zunächst ohne Familie, in die Schweiz. Die Jahre 1942 bis 1945 verbrachte er in schweizerischen Internierungslagern, in Les Avants sur Montreux und Vicosoprano. Danach blieb er in der Schweiz, in Genf, als seiner Wahlheimat, die ihn 1966 als Bürger aufnahm.

(Wikipedia) http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Lewandowski

Max Herrmann-Neiße, auch Herrmann-Neisse, (* 23. Mai 1886 in Neiße, Schlesien; † 8. April 1941 in London) war ein deutscher Schriftsteller.

Neulich tauchte ein Jüngling bei mir auf, lang, seltsam, stellt sich als ein Herr Finkenstein vor, er ist Leser der „Aktion“ aus – Metz, von dort hat man plötzlich einen ganzen Schub Lothringer hierher nach Neisse zur Infanterie geschickt, nun fasste er sich ein Herz fragte sich zu mir durch, um ein bisschen Anschluss wenigstens zu haben…“

Brief 18. Mai 1915 Max Herrmann an Friedrich Grieger

 

 Bild von George Grosz  

„… ein nettes altes Residenzstädtchen mit engen, hügeligen Gäßchen, großen Plätzen, alten Schlößchens und phantastischen Puffs“

Max Herrmann-Neiße zitiert nach Völker, Klaus: Max Herrmann-Neiße, Künstler, Kneipen, Kabaretts - Schlesien, Berlin, im Exil, Berlin 1991, S. 120. Auch die obenstehende Abbildung stammt dorther. Sie ist die Rückseite einer Postkarte auf deren Vorderseite das Haus der Brüder Grimm in der Kassler Altstadt abgebildet ist.

 

 

 

 

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Max Herrmann Neisse und Kassel
Auf den Spuren einer vergessenen Bohème


Ein Werkstattbericht von Elisabeth Gessner / Horst Paul Kuhley / Armin Ohlwein

In: Giblak, Beata und Wojciech Kunicki (Hrsg.): Auch in Neisse im Exil . Max Herrmann-Neiße, Leben, Werk und Wirkung (1886 - 1941). Schlesische Grenzgänger Bd. 5. 2012. ISBN: 9783865836571, S. 65 ff